1817-1900

Von der Preußenzeit (1817) bis zur Gemeindegründung um 1900

Vorbemerkung

Es folgt eine stark zusammengefasste Historie der Evangelischen Christen im Kreis Daun.
Eine ausführliche Beschreibung der weiteren Geschichte der Kirchengemeinde findet sich in der gedruckten Gemeindechronik:
E. Schuffenhauer, „50 Jahre ev. Kirche ‚auf der Burg zu Daun‘ –
Geschichte der Evangelischen Diasporagemeinde im Kreis Daun seit 1817″,
Gemeindebriefdruckerei Groß Oesenheim, 108 S., 2008, zu beziehen
für 12.- € beim ev. Pfarramt Daun, Berliner Straße 5.
Zu familienkundlichen Angaben von Evangelischen des Kreises Daun
in den Kirchenbüchern von Trier, Prüm, Wittlich, Gerolstein und Daun
bis 1900 kann der Autor Auskunft geben.

3.1 Ev. Gemeinde Trier mit den Kreisen Bitburg, Daun, Prüm und Saarburg

Seit dem Frieden von Lunéville (19.02.1801) gehörten die Länder westlich des Rheins zu Frankreich.
Seit dem „18. Germinal de l’an 10“ (= 08.04.1802) hatte Napoléon auch den „evangelischen Kultus“
in den Départements „de Rhin et Moselle“ et „de la Roer“ organisiert.
Mit dem Wiener Kongress kommen diese Gebiete an Preußen in der neu gegründeten „Die Rheinprovinzen“
mit Sitz in Koblenz (28.12.1815). In Koblenz wird auch die kirchliche Verwaltung (bisher in Köln) angesiedelt.
Hinsichtlich der weiteren Organisation folgt der Preußenkönig der französischen Einteilung.
Die Evangelischen Christen in Trier werden zusammen mit denen aus den politischen Kreisen Bitburg,
Daun, Prüm und Saarburg zu einer evangelischen Gemeinde Trier vereinigt.
Am 07.08.1817 treten evangelische Bürger, zumeist preußische Beamte, zur Gründungsversammlung zusammen.
Fast zeitgleich folgt die königliche „allerhöchste Kabinettsorder“ vom 27.09.1817,
wonach sich anlässlich der 3. Säkularfeier der Reformation die Lutherischen und die Reformierten
zu einer „evangelischen Kirche der Union“ vereinigen sollten.
Den Vollzug gibt die königliche Regierung in Trier am 25.11.1817 „gehorsamst“ bekannt.

3.2 Ev. Gemeinde Prüm mit den Kreisen Bitburg und Daun

Es liegt auf der Hand, dass eine solche Gemeinde Trier
(mit den Kreisen Bitburg, Daun, Prüm und Saarburg)
hinsichtlich der Entfernungen keinen großen Bestand haben wird.
Bereits am 23.12.1821 werden die drei Kreise Bitburg, Daun und Prüm
durch Kabinettsbeschluss König Wilhelm III. König von Preußen mit Sitz in Prüm
als Trierer Tochtergemeinde zusammengefasst.
Den Evangelischen Christen in Daun ist aber auch ein evangelisches Zentrum in Prüm
noch zu weit entfernt; man will evangelisches Leben vor Ort.
Wer wollte einen Fußmarsch von 6-7 Stunden in Kauf nehmen, um einen Gottesdienst in Prüm zu besuchen!
– – –
In das ehemalige kurfürstliche Amtshaus auf der Burg zu Daun war der königliche Oberförster eingezogen.
Im Untergeschoß befand sich ein Saal, der als Betsaal genutzt werden konnte.
Am 18.04.1824, zu Ostern, konnte bei einer zahlreichen Versamm­lung
in Gegenwart des „Commissarius“ der königlichen Regierung, v. Westphalen,
aus Brandenburg der Betsaal auf der Burg durch den Prediger und
Konsistorialrat Joh. Abraham Küpper von der Trierer Muttergemeinde
eingeweiht werden.
„Eine feste Burg ist unser Gott“
lautet seither das Motto der Gemeinde.

noch 3.2

Seit fast 200 Jahren haben also die Evangelischen der Gemeinde Daun
– in welchen Grenzen auch immer –
ihre gottesdienstlichen Feiern und ihre Heimat auf der Burg zu Daun.
Dies gilt es für die weitere Geschichte der ev. Gemeinde Daun zu bedenken.
Mit der Einführung von Pfarrer Phil. Wilhelm Schmidt aus Lobeda in Sachsen, am 12.04.1829, beginnt dann die selbständige ev. Kirchengemeinde Prüm mit den Kreisen Bitburg und Daun.
In Daun wird zweimal pro Jahr Gottesdienst mit Abendmahl gehalten. Für 1851 werden in Daun 29 Abendmahlsteilnehmer genannt. Da in den Abendmahllisten in Daun mehrfach Förster aus dem Kreis Prüm erscheinen, ist anzunehmen, dass der Pfarrer hier eine Mitfahrgelegenheit geboten bekam und er diese Wege nicht zu Fuß zurücklegen musste.
In Prüm lassen sich als Dauner Presbyter der königliche Dauner Landrat Heinrich v. Selasinsky
bis zu seiner Versetzung 1851 und als sein Nachfolger der kommunale Oberförster Wilhelm Müller nachweisen,

3.3 Evangelische Christen im Kreis Daun als Vikariat von Prüm bis 1858

Beide vorgenannten Presbyter haben jedoch an den entscheidenden Sitzungen des Prümer Presbyteriums nicht teilgenommen. Genau in diese Zeit fällt die Gründung einer Vikariats-Gemeinde aus den Kreisen Wittlich und Daun.
In den Prümer Protokollen kann man nachlesen, wie schwer diese Abtrennung die Gemeinde Prüm getroffen hat; denn die Abtrennung ist laut Protokoll v. 05.09.1852 unter Missachtung presbyterialer Rechte, sowie die Sache selbst eine Bedrohung der Rechtsgrundlage der Gemeinde geschehen. Verursacher der willkürlichen Abtrennung ist „der Vorstand des Provinzialausschusses für Innere Mission“.
Im Antrag des Prümer Presbyteriums an die Kreissynode heißt es:
Die Hochehrwürdige Kreis=Synode wolle die Klage zu der ihrigen machen, dass die Art und Weise, wie der Vorstand des Provinzialausschusses für Innere Mission der Gemeinde Prüm einen integrierenden Theil fortgerissen … habe, ohne so wenig mit ihr, der Synode, als mit dem Presbyterium der betreffenden Gemeinde darüber Rücksprache zu nehmen, tief verletzt habe..
Folgendes ist anzumerken:
  1. die wohl besser „vernetzten“ Hüttenherren in Jünkerath hatten schon im August bei der obersten Stelle,
    beim königlichen Konsistorium in Koblenz, einen Antrag gestellt, bei Prüm zu verbleiben, ansonsten sich weiterhin zur Gemeinde in Gemünd halten zu wollen. Diesem Antrag wurde stattgegeben und Jünkerath bzw. die gesamte politisch zuständige Bürgermeisterei Lissendorf mit allen Orten (im Kreis Daun) durfte seelsorgerlich bei der ev. KG-Prüm bleiben.
2. Die Evangelischen Christen in Daun waren über die Entscheidungen überhaupt nicht informiert.
Der 1852 zuständige Dauner Presbyter, Oberförster Müller, wird erst 13 Jahre später wieder in dieses Amt
gewählt. Bis 1858 besteht die evangelische Gemeinde Daun als Vikariats Gemeinde von Prüm.

3.4 Ev. Kirchengemeinde Wittlich – Daun und die "ev. Spezialgemeinde Daun"

Dieser Zeitabschnitt wird aus dem Grunde so ausführlich beschrieben, weil bereits hier die Wurzel aller weiteren Entwicklungen bzw. fortwährenden Auseinandersetzungen liegt.       In Stichworten:
< Prüm will fortan Daun zurückhaben – mehrfache Anträge.
< Wittlich will Daun loswerden, weil sie den Pfarrer ganz für sich haben wollen; denn alle drei Wochen müssen sie auf „ihren Pfarrer“
verzichten, wenn er mehrere Tage auf Wandertour nach Daun zum Gottesdienst unterwegs ist.
< Daun jedoch hat einen Betsaal und sieht sich als unabhängige evangelische Gemeinde.      Daun besteht fortan auf seiner
Unabhängigkeit, so wird ihr schließlich eine „pseudo-Selbständigkeit“ zuteil.
Erst im Dezember 1858 trifft Superintendent Jungk die Entscheidung, dass Daun derzeit keine
eigenständige ev. Kirchengemeinde werden könne, später vielleicht.
Als Lösung auf die Dauner Proteste schlägt der Superintendent eine „ev. Spezialgemeinde Daun“ mit einem „Spezialpresbyterium“ und einem „Spezialetat“ (alles einmalig in der EKiR) innerhalb der ev. Kirchengemeinde mit dem Doppelnamen „Wittlich – Daun“ vor.
1859 wählen die Kreis – Dauner ihr Spezialpresbyterium. Alle wichtigen Entscheidungen des Dauner Spezialpresbyteriums müssen vom Wittlicher Gesamtpresbyterium (in dem kein Dauner vertreten ist) genehmigt werden, da die Dauner keine sog. Korporationsrechte innehaben.